Archiv für den Monat: Januar 2007

Von GEW nicht einschüchtern lassen

Wilhelmshaven (tj). Legal? Illegal? Scheißegal! 2000 Wilhelmshavenerinnen und Wilhelmshavener haben gegen die Gaspreiserhöhungen der GEW protestiert und ihre Zahlungen gekürzt. Jahresrechnugen bekommen sie allerdings weiterhin auf Basis der erhöhten Preise, Korrekturen lehnt das Wilhelmshavener Energieunternehmen ab. Doch die Protestler bleiben stur – und bekommen von der GEW in diesen Tagen Zahlungserinnerungen mit dem Hinweis „Sollten wir zum obengenannten Termin keinen Zahlungseingang feststellen, behalten wir uns rechtliche Schritte vor.“ Auch für diesen Einschüchterungsversuch der GEW mit Oberbürgermeister Eberhard Menzel an der Aufsichtsratsspitze gilt: „Auf Antwortschreiben Ihres Versorgers brauchen Sie in aller Regel Ihrerseits nicht zu antworten. Halten Sie sich informiert über aktuelle Entwicklungen durch mindestens wöchentlichen Besuch auf der Internetseite energiepreise-runter.de.“ (Bund der Energieverbraucher)

Weitere Infos

Fiktive Interviews, Fotos und Karikaturen

Wilhelmshaven (tj). Einer mag die fiktiven Interviews nicht: Oberbürgermeister Eberhard Menzel. Einer liest sie als Pressesprecher der Stadt nur gezwungenermaßen: Arnold Preuß. Doch für andere sind die jeden Montag auf http://klageob.beeplog.de erscheinenden Gespräche bereits Kult – und nun erscheinen einige auch noch in Heftform unter dem Titel „Wir stecken Wilhelmshaven in die Tasche“. Heinz-Peter Tjaden stellt dazu Fotos von Veranstaltungen und Karikaturen der Gruppo 635, die Eberhard Menzel ebenfalls nicht mag. Nicht mögen wird der Verleger der „Wilhelmshavener Zeitung“, Manfred Adrian, dass Tjaden in Kurzform auch die Geschichte der Wochenzeitung 2sechs3acht4 erzählt.
„Wir stecken Wilhelmshaven in die Tasche“ kostet 14,80 Euro und kann ab sofort bestellt werden bei Heinz-Peter Tjaden, Krumme Straße 1, 26384 Wilhelmshaven. Der Bestellung bitte einen Verrechnungsscheck oder Geld beifügen, außerdem Briefmarken im Wert von einem Euro. Je mehr Vorbestellungen, desto früher der Erscheinungstermin.

Erfinderin der Gespräche: www.2sechs3acht4.de

WHV macht es nach: Auch Kinder kaufen manchmal unnützes Zeug

Wilhelmshaven. Und es begab sich zu einer Zeit, als Wilhelmshaven regiert wurde als sei die Stadt unregierbar, denn das Geld war knapp und konnte nicht vermehret werden. Also sandte der Oberbürgermeister Späher aus, die sich bis Berlin auf die Pirsch machten nach Helfern, die Löcher im Stadtsäckl zu stopfen. Veberas hätte man kaum gedacht eilte zu Hilfe für 51 000 Taler so gülden wie Wilhelmshaven grün ist. Doch alle Mühe und alle Plag waren vergeblich, denn der Oberbürgermeister breitete Papiere aus, auf denen nichts Lesbares stand, weil sie verfasst waren mit Tinte, die Geschriebenes unsichtbar machte. Da schaute sich Veberas in anderen Orten um nach einem Stadtsäckl ohne Löcher, und sie waren so schnell wie die Feuerwehr. Keinen zusätzlichen Taler nahmen sie dafür, als sie vorschlugen, dass jemand, der so schnell wie die Feuerwehr ist, schnell darauf kommen muss, dass die Feuerwehr sonst eine gar nützliche Einrichtung ist, die meistens ohne Unterlass darauf wartet, dass es irgendwo brennt, was auch in Wilhelmshaven nicht immer geschieht. Veberas zogen sie daraus den weisen Schluss, dass die Arbeitszeit der Feuerwehr vermehret werden muss mit Bücher sortieren, Grünanlagen pflegen, dem Oberbürgermeister die Haarpracht, mag sie auch noch so kurz sein, noch prächtiger machen. Jedoch: Das fanden einige gar nicht prächtig und das nicht nur bei der Feuerwehr. Doch zulässig wäre es gewesen, schrieb Veberas jetzt eilend an einen Ratsherrn, der doch wirklich der irrigen Auffassung war, dass derlei Vorschläge ins Runde müssen, und zwar in jenes Runde, in das nicht nur Viereckiges hingehört.
Heinz-Peter Tjaden

Das Dokument:
Joachim Tjaden, in Wilhelmshaven Ratsherr von Bildung, Arbeit, Soziales und Umwelt (BASU), hat in diesen Tagen Post bekommen von der in Berlin ansässigen Verwaltungs- und Unternehmensberatung Veberas, die von der Verwaltungsspitze als Sparkommissar eingesetzt wurde. Der Brief (es handelt sich wirklich nicht um eine Realsatire):

■ Zunächst ist die in dem Beitrag genannte Honorarhöhe nicht zutreffend. Das Honorar lag bei 40.000
Euro für 50 Beratertage zuzüglich 10% pauschalierter Nebenkosten und der gesetzlichen Umsatz
steuer. Der Auftrag hatte mithin einen Bruttowert von rd. 51.000 Euro (und nicht 75.000 Euro).
■ Gegenstand unseres Projektes war es, mit den Fachbereichen gemeinsam weitergehende
Vorschläge zur Haushaltskonsolidierung zu entwickeln. Hierzu haben wir vereinbarungsgemäß
vielfältige Workshops durchgeführt, da für uns zunächst nur eine moderierende Rolle vorgesehen
war.
■ Nach den Workshops mussten wir mit dem Verwaltungsvorstand aber erkennen, dass die
Vorschläge aus der Verwaltung selbst nicht ausreichten, um den Haushalt zukünftig ausgeglichen
und mithin rechtskonform zu gestalten. Wir haben deshalb – ohne irgendwelche Mehrkosten –
erhebliche zusätzliche Arbeit investiert, um das Projektziel der Konsolidierung zu erreichen. Unsere
Vorschläge orientieren sich dabei durchweg an den örtlichen Verhältnissen in Wilhelmshaven, was
aber nicht ausschließt, Wirtschaftlichkeitsansätze in anderen Kommunen in die Betrachtung
einzubeziehen.
■ Hinsichtlich der rechtlichen Zulässigkeit des (kritisierten) ergänzenden Einsatzes von
Feuerwehrbeamten für andere Aufgaben verweisen wir auf das rechtskräftige Urteil des VG
Schwerin – 1 B 1265/03 – vom 05.03.2004 – nach dem der von uns aufgegriffene Vorschlag ausdrücklich als
rechtmäßig anerkannt ist. Vor dem Hintergrund aber, dass durch die Umstellung der Arbeitszeit
auf zukünftig nur noch 48 Stunden ein Stellenbedarfsproblem auftritt, haben wir unsere Darstellung im Fortschreibungsbericht zwischenzeitlich modifiziert.

Rotzfreche GEW

Wilhelmshaven (tj). Für Einsprüche gegen die Gaspreiserhöhungen interessiert sich die GEW offenbar nicht. Das Wilhelmshavener Energieversorgungsunternehmen verschickt an alle Jahresrechnungen auf Basis der aktuellen Preise. Ob die Empfänger überhaupt in der Lage sind, das zu durchschauen, ist für die GEW ebenfalls nicht von Belang. Die 77-jährige Christiene T. aus Voslapp hätte die Rechnung beinahe einfach abgeheftet – und den geforderten Nachzahlungsbetrag gezahlt, obwohl ihr Sohn in ihrem Namen vor über einem Jahr Einspruch gegen Preiserhöhungen eingelegt hat. Da wollte Sohnemann es wissen und forderte von der GEW eine neue Jahresrechnung auf Basis der von seiner Mutter akzeptierten Gaspreise. Die Antwort: Machen wir nicht. Begründung: „Bis zu einer Klärung der inzwischen deutschlandweiten Preisgestaltungsfrage der Energieversorgungsunternehmen werden wir ausdrücklich auf unsere ungekürzte Gesamtforderung aus der Jahresrechnung bestehen, da wir unsere Preise keinesfalls als unbillig erachten, sondern als marktüblich und unsere Preiserhöhungen zudem in wirksamer Weise erfolgt sind.“ Flankierend ließ sich die GEW eine Schikane einfallen. Lastschriftaufträge von Protestlern werden nicht mehr ausgeführt, sie sollen ihre Abschläge per Dauerauftrag zahlen. Aufsichtsratsvorsitzender dieses Unternehmens ist übrigens Wilhelmshavens Oberbürgermeister Eberhard Menzel, der jeder Preiserhöhung zugestimmt hat.

Gar-Jahr 2007

Wilhelmshaven (tj). 2sechs3acht4 öffnet die Tür zum Büro des Oberbürgermeisters, hat schon ein „frohes, neues“ auf den Lippen, sieht einen Schreibtisch, darauf ein niedliches Schwein, das den Redakteur mit „Ich bin doch nicht blöd, ich bleib in Wilhelmshaven“ begrüßt.
2sechs3acht4: Bin ich hier in einer Filiale des Media-Marktes gelandet?
Eberhard Menzel (schiebt das Schwein ein wenig beiseite, damit er sichtbar wird): Sind Sie nicht. Mit diesem Schwein drehen wir Werbefilme für unsere aufstrebende Stadt.
Das Schwein: Manches in Wilhelmshaven finde ich blöd.
Eberhard Menzel (stößt das Schwein vom Schreibtisch): Manchmal verspricht er sich noch. Aber das kriege ich auch noch hin. Er soll sagen, was ich will.
2sechs3acht4: Wie die Jungsozialisten?
Eberhard Menzel: Die sind wirklich Klasse. Auf ihren Internet-Seiten steht zwar „Angepasst sind andere“, aber in ihrem Forum antworten sie so wie Münte und ich.
2sechs3acht4: In dieser Stadt haben Sie eben alles im Griff. Deswegen wollte ich mit Ihnen auch eine Bilanz des Jahres 2006 ziehen, damit alle erfahren, wie tüchtig Sie sind. Also: 2006 sollte vieles geschehen. Was davon ist geglückt?
Eberhard Menzel (verzieht den Mund): Fast nichts.
2sechs3acht4: ?
Eberhard Menzel (ist schon wieder fröhlich): Aber das ändert sich in diesem Jahr. Lassen Sie es mich mal so sagen: Wenn Sie etwas kochen, wird es irgendwann gar. So soll es auch mit den Industrieansiedlungen sein. 2007 wird jedes Projekt seinen Siedepunkt erreichen und gar werden, damit wir 2008 richtig loslegen können.
2sechs3acht4: 2007 wird also ein Gar-Jahr?
Eberhard Menzel (greift zu Kugelschreiber und Notizblock): Das muss ich mir aufschreiben. Das ist ein tolles Schlagwort. Gar-Jahr 2007.
Das Schwein (rennt zur Tür): Ich bin doch nicht blöd, ich will hier raus.
2sechs3acht4 (eilt dem Schwein zu Hilfe, öffnet die Tür zum Büro des Oberbürgermeisters)
Das Schwein (flitzt davon)
Eberhard Menzel (wird laut): Was haben Sie da gemacht? Was soll nun aus unseren Werbefilmen werden?
2sechs3acht4 (im Hinausgehen): Gar nichts.

Das ist eines der fiktiven Interviews gegen die der Oberbürgermeister von Wilhelmshaven vergeblich gerichtlich vorgegangen ist.

Der Franz, der kann´s

Für den endlosen Sanierungsfall TuS Celle FC habe er momentan keine Zeit, weil er erst einmal in Goslar gebraucht werde, enttäuschte er den neuen Vorstand des Niedersachsenligisten. Schlagzeilen machen hat der 53-Jährige nicht verlernt. Für die jüngsten sorgte Franz Gerber in Wilhelmshaven. Der gewiefte Mann heuerte beim abstiegsgefährdeten Regionalligaverein SVW als Berater an. So viel Zeit hat er also doch noch …

Nun sitzt Franz Gerber wohl in seinem Haus bei Celle, das Telefon vor sich und das Notizbuch auf dem Schoß: “Die in Wilhelmshaven brauchen Verstärkungen für den Klassenerhalt. Wie lange hat eigentlich X noch Vertrag?” Und morgen schleppt er Spieler aus der Region Hannover an? Möglich wäre es, denn bei Franz Gerber ist stets vieles möglich gewesen – in die Vergessenheit reibungsloser Zusammenarbeit versinkt er nie. Fans von Hannover 96 haben ihm sogar ein Denkmal aus stürmischen Zeiten im Jahre 1997 gesetzt: “Er machte aus dem Nichts und einem Regionalliga-Verein vor dem Aus einen Anwärter auf den Bundesligaaufstieg. Bei seiner Arbeit für Hannover hat er seine eigenen Interessen in den Hintergrund gestellt und wurde so vom Manager zum Trainer. Die erste Intrige durch Ex-Präsident Utz Claassen konnte Gerber zusammen mit den Fans überstehen. Die zweite allerdings, als ihm Manager-Yuppie von Heesen vor die Nase gesetzt wurde, brachte Gerber und Hannover 96 auseinander. Daran konnte auch eine groß angelegte Demo der Fans gegen Gerbers Entlassung nichts ändern. In der Aufstiegssaison 2002 gehörte Franz Gerber zu Saisonbeginn als Sportdirektor wieder zum Team hinter dem Team. Die Wege trennten sich in der Winterpause der Spielzeit aber endgültig und mehr oder weniger friedlich. Gerber war aber nicht nur ein großartiger Manager bzw. Trainer bei 96. Gerber war auch der Kapitän der Aufstiegsmannschaft ’85! Aus den USA zurückgekehrt, hatte Gerber maßgeblichen Anteil daran, daß die Elf der Namenlosen in den Achtzigern Fußballgeschichte schrieb. Insgesamt spielte Gerber 62 mal für die Roten und erzielte dabei 14 Treffer.” Die Bilder sind unvergessen: Ein Eiskalt-Sanierer wie Ulf Claassen, von dem niemand in Hannover etwas Rechtes wusste, musste mit ansehen, wie Anhänger der “Roten” den am 15. August 1997 vor dem Pokalspiel in Mönchengladbach entlassenen Gerber auf ihren Schultern über die Aschenbahn des Niedersachsenstadions trugen. Zehntausende skandierten: “Claassen raus!” Wochenlang eierten die Verantwortlichen herum, der gefeuerte Manager arbeitete weiter in der 96-Geschäftsstelle. Das alles ist Fußball-Schnee von gestern, aktuell sei dem Hauptsponsor des SV Wilhelmshaven Albert Sprehe geraten, fortan ein wachsames Auge auf die Feinkost-Szene zu haben. Denn Franz Gerber, das wissen sie in Hannover, das wissen sie in Celle, das wissen sie in Hamburg…denkt auch gern mal an sich!

Zur Person

Franz Gerber war von 1989 bis 1996 Manager bei TuS Celle, in dieser Zeit auch mehrmals Interimstrainer und war Trainer der A-Jugend in der Verbandsjugendliga. Anschließend arbeitete er bei Hannover 96 (Manager von 1996 bis August 1997 und von September 1997 bis 1999, zudem Cheftrainer von Januar bis Juni 1999). Es folgte eine Episode als Manager beim BV Cloppenburg (Januar bis Dezember 2000). Von Januar bis Juni 2001 und von April bis Juni 2002 war er sportlicher Berater beim VfB Oldenburg, von Juli bis Dezember 2001 wieder bei Hannover 96, diesmal als Sportdirektor. Diese Zeit endete mit einer Disharmonie, weil Gerber in den Verdacht geriet, seine Tätigkeiten als Vereinsangestellter und Spielerberater nicht immer ganz sauber trennen zu können.

2002 kehrte er zum FC St. Pauli zurück, wirkte dort von Juli bis Dezember als Manager sowie zwischen Januar 2003 und März 2004 als Cheftrainer. In der Zweitliga-Rückrunde 2002/03 gehörte auch sein Sohn Fabian (17 Spiele/8 Tore) dem Kader von St. Pauli an, der vorher, wie sein Vater, auch schon bei Celle und Hannover aktiv war.

Seit Dezember 2006 hat Franz Gerber das beratende Amt für den GSC 08 im Harz inne und soll den Verein aus der Krise führen. Er hat einen Vertrag bis 2007 mit einer Option für ein weiteres Jahr.Quelle: Wikipedia, genutzt unter der GNU-Free-Documentation-Lizenz.

Behörden dürfen fremdes Eigentum beschädigen?

Burgdorf/Hildesheim/Hannover/Wilhelmshaven. Prolog: 3. November 2003, 7 Uhr morgens, zwei Kripobeamte und zwei von der Stadt Burgdorf benannte Zeugen stehen vor meinem Bett, ein Schatten fordert mich auf: “Stehen Sie auf. Wir sind von der Kripo. Sie sollen auf einer Homepage Kinderpornografie verbreitet haben.” Sie haben meine Wohnungstür von einem Schlüsseldienst öffnen lassen…
Bei der Wohnungsdurchsuchung raffen sie CDs und Disketten zusammen, dazu gehören Bildbearbeitungs- und andere Programme, sie nehmen meine beiden Computer mit, ich stehe als selbstständiger Redakteur vor dem beruflichen Nichts.

Ein Bekannter und ich finden nach stundenlanger PC-Arbeit die Homepage, an einer unerwarteten Stelle gibt es einen Fleck, nicht einmal so groß wie eine Briefmarke. Das soll die kinderpornografische Datei sein? Im Laufe der Ermittlungen prägt sich mir die Adresse der Seite ein: http://members.aol.com. Es handelt sich um eine Leseprobe meiner Erzählung “Von Bachnoten und von Bachblüten”, mit herkömmlichen Schlagwörtern kann diese Seite von keiner Suchmaschine gefunden werden.

Einen der beiden Computer, die CDs und Disketten bekomme ich ein knappes Jahr später wieder, weil “nichts Tatrelevantes” drauf ist. Auf den zweiten PC werde ich noch lange, lange warten müssen. Alle Jahre wieder weise ich das niedersächsische Justizministerium darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft Hannover meine Akte wohl irgendwo verstauben lässt, zuerst aus der Presse, Monate nach dem Zeitungsbericht von meiner Anwältin erfahre ich, dass bei einer Überprüfung im März 2004 auf der Festplatte meines zweiten Computers eine Datei gefunden worden sei.

Im Februar 2006 schalte ich einen Wilhelmshavener Anwalt ein, der Akteneinsicht verlangt, doch bevor die Akte da ist, erhebt die Staatsanwaltschaft Hannover Anklage wegen Verbreitung von Kinderpornografie, als Beweisstücke führt die Staatsanwältin Kretzschmar die CDs und Disketten auf, die schon lange wieder in meinem Besitz sind. Meine Frage, ob ich diese Beweisstücke zur Verhandlung vor dem Burgdorfer Amtsgericht am 13. April 2006 mitbringen soll, bleibt von der Staatsanwältin Kretzschmar genauso unbeantwortet wie viele Fragen zuvor.

Die Verhandlung dauert zweieinhalb Stunden, die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hört bei diesem Prozess das Wort “Computer” wohl zum ersten Mal. Ich werde frei gesprochen. Doch die Geschichte ist nicht zu Ende. Es passiert dies: “Hinsichtlich des Vorwurfs des Verbreitens des kinderpornografischen Bildes hat der sachverständige Zeuge (dabei handelt es sich um den Kripo-Beamten, der meine Computer überprüft hat, der Verf.) ausgeführt, dass für einen Dritten durchaus die technische Möglichkeit besteht, die Homepage eines anderen zu manipulieren.”

Anfang Mai 2006 fische ich diese schriftliche Urteilsbegründung des Burgdorfer Amtsgerichtes für meinen Freispruch aus “tatsächlichen Gründen” aus meinem Briefkasten. Bekomme ich nun endlich meinen Computer zurück, der am 3. November 2003 beschlagnahmt worden ist?

Ich rufe das Burgdorfer Amtsgericht an, die Justizsekretärin sagt: “Die Staatsanwaltschaft hat Berufung eingelegt. Der Computer steht hier noch, wird aber abgeholt.”

Wenn es eine solche Eintragung ins Guiness Buch der Rekorde geben würde, dann wäre mein Rechner wohl der am längsten beschlagnahmte und ein bei den zurückgelegten Kilometern zwischen Polizei, Gericht und Behörden unschlagbarer Computer.

Die Staatsanwaltschaft Hannover, der bislang vom Justizministerium, vom Leitenden Oberstaatsanwalt und vom Rechtsausschuss des Niedersächsischen Landtages bestätigt worden ist, dass sie langsam arbeitet, weil sie nicht schneller sein kann, erhöht das Tempo.

Die Berufung vor dem Hildesheimer Landgericht begründet Staatsanwalt F. am 9. Juni 2006: “Entscheidend für die Schuld des Angeklagten spricht, dass die relevante Bilddatei auf dem Personalcomputer gefunden wurde, der für die Erstellung einer Homepage geeignet ist. Auf diesem Computer konnte die identische Bilddatei dann an drei unabhängigen Programmplätzen aufgefunden werden, was gegen ein Eingreifen von außen spricht. Ein Manipulieren der Website von außen ist gemäß der Angaben des in der Hauptverhandlung vernommenen sachverständigen Zeugen St. nur möglich, falls der Dritte das Kennwort des Angeklagten wusste, was dieser in Abrede nimmt.” Was nehme ich in Abrede? Was soll diese Lüge?

Legen wir doch einfach die Urteilsbegründung des Burgdorfer Amtsgerichtes daneben. Dort heißt es auf Seite 4: “Das Passwort gab er (gemeint bin ich) an mit ´Die Roten´, wobei er selbst einräumte, dass viele in seinem weiteren Bekanntenkreis wüssten, dass er leidenschaftlicher 96-Fan sei und dieses Passwort möglicherweise auch leicht zu erraten gewesen sein könnte.”

Staatsanwälte küsst man zwar nicht, aber sicher dürfen sie dennoch sein: “Insgesamt wird bei einer erneuten Hauptverhandlung festzustellen sein, dass dem Angeklagten die Begehung der ihm mit der Anklage vom 23. 2. 2006 ohne Verbleib vernünftiger Zweifel nachzuweisen und er nach dem Gesetz zu verurteilen sein wird.” Ein vollständiger Satz sieht anders aus.

Der Vorsitzende Richter der zweiten kleinen Strafkammer des Landgerichtes Hildesheim reagiert postwendend und fordert die Staatsanwaltschaft Hannover zur Zurücknahme der Berufung auf. Bei dem Foto, das sich als daumennagelgroßer Fleck auf einer meiner Homepages befunden hat, kommt er zu dem Ergebnis, dass “die Person über 14 Jahre alt ist”. Außerdem sei die Staatsanwaltschaft Hannover “ohne ersichtlichen Grund” eineinhalb Jahre untätig gewesen.

Es sind zweieinhalb Jahre.

Staatsanwältin K. nimmt am 11. Juli 2006 die Sache wieder selbst in die Hand und teilt dem Hildesheimer Landgericht mit: “Die Berufung wird nicht zurückgenommen. Bei dem auf Bl. 4 d. A. befindlichen Bild handelt es sich um ein seit Jahren bekanntes kinderpornografisches Bild, welches auch in dem Suchprogramm PERKEO enthalten ist.”

Der Vorsitzende Richter am Hildesheimer Landgericht zögert wieder nicht lange, am 19. Juli 2006 fasst er den Beschluss: “Die Berufung wird als unzulässig verworfen.” Denn: “Die überzeugende Begründung des angefochtenen Urteils trägt den Freispruch des Angeklagten.” Außerdem: “Die Entscheidung ist unanfechtbar.”

Unanfechtbar? Von wegen! Wie fleißig sie plötzlich sind. Die Staatsanwaltschaft Hannover schaltet das Oberlandesgericht in Celle ein. Die Entscheidung: Die Berufung wird zugelassen. Verhandelt wird darüber am 19. September 2006 vor dem Hildesheimer Landgericht. Die Staatsanwaltschaft Hannover schickt einen Vertreter, der nach eigenem Bekunden meine Akte einen Tag vor dem Prozess zum ersten Mal gesehen hat…

Der Vorsitzende Richter macht nicht viel Federlesens, faltet den Vertreter der Staatsanwaltschaft Hannover zusammen, gibt ihm Möglichkeiten von Rücknahme der Berufung über erneuter Freispruch bis hin zur Einstellung des Verfahrens. Mir rät er, einer Einstellung zuzustimmen, weil die “Fronten verhärtet” seien und die Staatsanwaltschaft bei einem zweiten Freispruch in Revision gehen könne. Dass mich die Staatsanwaltschaft schon bald an der Nase herumführen wird, ahnt der Vorsitzende Richter wohl nicht. Doch: Er wird wieder eine Rolle spielen.

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass Experten der Staatsanwaltschaft die Datei löschen, bevor ich den Computer wieder bekomme. Mein Fehler. Diese Zustimmung hätte ich nie geben dürfen.

Doch erst einmal macht die Staatsanwaltschaft wieder, was sie in meinem Fall am besten kann: Mich warten lassen.

Mitte Oktober reicht es mir erneut, wieder schreibe ich an das Justizministerium – und oh Wunder: Ich bekomme einen Anruf von einem Rechtspfleger der Staatsanwaltschaft Hannover. Mein Computer wird nach Wilhelmshaven gebracht.

So geschieht es am 1. November 2006. Das Wiedersehen mit meinem Computer wird jedoch zur Enttäuschung, ich entdecke 451 Probleme, Stabile Internetverbindungen sind nicht mehr möglich. Der nächste Brief – der nächste Anruf. Der Rechtspfleger startet eine Art Telefonseelsorge, überbringt schließlich die gute Nachricht: “Sie bekommen Schadenersatz nach dem Justizentschädigungsgesetz. Schreiben Sie uns bitte nicht mehr.”

Mache ich nicht, während die Staatsanwaltschaft Hannover hinter meinem Rücken und trotz des Versprechens das Hildesheimer Landgericht einschaltet. Der Vorsitzende Richter, der unlängst für die Staatsanwaltschaft Hannover nicht viele gute Worte übrig gehabt hat, entscheidet am 29. November 2006: Schadenersatz steht mir nicht zu. Ich hätte die Probleme, die mein Computer macht, näher schildern müssen.

Davon ist bei den Anrufen des Rechtspflegers der Staatsanwaltschaft Hannover nie die Rede gewesen. Zeit schinden ist offenbar das Motto gewesen, und dann: Rein ins offene Messer eines richterlichen Beschlusses. Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich jedes Computer-Problem protokolliert. Und bei jedem Telefonanruf des Rechtspflegers der Staatsanwaltschaft Hannover hätte ich gleich wieder aufgelegt.

Das vorläufige Schlusskapitel schreibt das Celler Oberlandesgericht, das den Beschluss des Hildesheimer Landgerichtes bestätigt. Ergo: Ein Rechtspfleger darf am Telefon lügen, Behörden dürfen fremdes Eigentum beschädigen.

Liebe Kinder, Ihr solltet diesen Text nicht gelesen haben, denn euch wird das von euren Eltern vielleicht noch anders beigebracht…