Als Eberhard einmal…

…vom Einkaufen nach Hause kam, war er ganz begeistert. Atemlos erzählte er seiner Frau: „Ich habe eine Straße mit ganz vielen Geschäften entdeckt.“ Sie blickte nur kurz von ihrer Lektüre auf, antwortete: „So was nennt man Einkaufsstraße“, vertiefte sich wieder in ihr Buch und wunderte sich darüber, dass die Wahl ihres Mannes zum Oberbürgermeister auch in der jüngsten Auflage nicht erwähnt wurde, lautete der Titel doch „Die größten Irrtümer der Menschheit“. Am nächsten Morgen stand Eberhard ganz früh auf, eilte ganz früh ins Rathaus, denn einem Redakteur hatte er anvertraut, dass sonst dieses zu geschehen pflegte: Wenn er um neun Uhr mit festen Vorsätzen für sein Tagespensum an seinem Schreibtisch saß, tobte spätestens um 11 Uhr das Chaos und alle Vorsätze mussten über den Haufen geworfen werden. Das durfte dieses Mal nicht geschehen, ging Eberhard gar nicht erst in sein Büro, sondern wartete im Treppenhaus auf jenen Mitarbeiter, der für die sehr wohl gelungene Verschönerung der Stadt, also auch für die Verschönerung der von Eberhard am Vortage entdeckten Einkaufsstraße verantwortlich war: „Die braucht dringend ein neues Pflaster“, griffen die beiden zu Papier und Bleistift und rechneten aus, wie viele Pflastersteine wahrscheinlich erforderlich wären, um Eberhards Plan in die Tat umzusetzen. Verrechnen kann sich jeder einmal, stellte sich ein paar Monate später heraus, Pflastersteine wurden nachbestellt, die allerdings nicht so aussahen wie die anderen bereits einwandfrei verlegten. Doch die Lücke ließ sich schließen, wurde die wie neu aussehende Einkaufsstraße endlich eingeweiht und das Chaos begann zu toben, obwohl Eberhard seinerzeit sehr früh aufgestanden war. Es taten sich Risse auf, das Pflaster platzte -vor Begeisterung
über die Tat- und Schaffenskraft, die in dieser Stadt zu herrschen pflegte seit Eberhard das absolute Sagen hatte? Nein, das mit dem Abplatzen war absolut nicht in Ordnung, Schuldige mussten gefunden werden in den Reinigungsmaschinen, die den Sand in den Fugen aufgewirbelt, die Steine gegeneinander getrieben und so zur negativen Oberflächenveränderung veranlasst hatten. Da war Eberhard klar: Das war Pflasterkraftzersetzung…
Heinz-Peter Tjaden