Als Eberhard einmal…

…erfuhr, dass es in Wilhelmshaven auch eine Kunsthalle gibt, konnte er das nicht so recht einordnen. War denn nicht nur das Kunst, was er machte? Beherrschte er nicht die einzige Kunst, auf die es ankam, die Kunst nämlich des Verschleierns, des Geheimhaltens, der Entscheidungen hinter verschlossenen Türen im Kreise einiger, die jemand mal als Freiluftkomödianten bezeichnet hatte, auf das Vorzüglichste? Und was machte der Leiter der Kunsthalle? Der machte Kunst öffentlich! Startete Aktionen, die
überregionale Schlagzeilen machten, die Besucherzahlen steigen ließen. Das durfte nicht sein, war er sich schnell mit dem zuständigen Dezernenten einig, auch die meisten Ratsmitglieder packte der Neid, denn die Besucherzahlen bei Ratssitzungen stagnierten seit Jahren trotz vieler gelungener kunstvoller Wortbeiträge, von denen viele schon bald zum Schatz deutscher Legenden gehörten. Doch das war keine Sage: Wenn man den Geldhahn zudreht, schnappt auch der Einfallsreichste schnell vergeblich nach weiteren Ideen. So geschah es – und der Leiter der Kunsthalle bat um vorzeitige Vertragsauflösung. Nun also, dachte sich Eberhard, hat auch er begriffen, wie an der Jade Kunst Schiffbruch erleidet. Der zuständige Dezernent hieß schließlich nicht zufälligerweise Graul. Der verstand den Job des Vergraulens, machte sich Eberhard sogleich auf die Suche nach weiteren Sparopfern…
Heinz-Peter Tjaden