Der Franz, der kann´s

Für den endlosen Sanierungsfall TuS Celle FC habe er momentan keine Zeit, weil er erst einmal in Goslar gebraucht werde, enttäuschte er den neuen Vorstand des Niedersachsenligisten. Schlagzeilen machen hat der 53-Jährige nicht verlernt. Für die jüngsten sorgte Franz Gerber in Wilhelmshaven. Der gewiefte Mann heuerte beim abstiegsgefährdeten Regionalligaverein SVW als Berater an. So viel Zeit hat er also doch noch …

Nun sitzt Franz Gerber wohl in seinem Haus bei Celle, das Telefon vor sich und das Notizbuch auf dem Schoß: “Die in Wilhelmshaven brauchen Verstärkungen für den Klassenerhalt. Wie lange hat eigentlich X noch Vertrag?” Und morgen schleppt er Spieler aus der Region Hannover an? Möglich wäre es, denn bei Franz Gerber ist stets vieles möglich gewesen – in die Vergessenheit reibungsloser Zusammenarbeit versinkt er nie. Fans von Hannover 96 haben ihm sogar ein Denkmal aus stürmischen Zeiten im Jahre 1997 gesetzt: “Er machte aus dem Nichts und einem Regionalliga-Verein vor dem Aus einen Anwärter auf den Bundesligaaufstieg. Bei seiner Arbeit für Hannover hat er seine eigenen Interessen in den Hintergrund gestellt und wurde so vom Manager zum Trainer. Die erste Intrige durch Ex-Präsident Utz Claassen konnte Gerber zusammen mit den Fans überstehen. Die zweite allerdings, als ihm Manager-Yuppie von Heesen vor die Nase gesetzt wurde, brachte Gerber und Hannover 96 auseinander. Daran konnte auch eine groß angelegte Demo der Fans gegen Gerbers Entlassung nichts ändern. In der Aufstiegssaison 2002 gehörte Franz Gerber zu Saisonbeginn als Sportdirektor wieder zum Team hinter dem Team. Die Wege trennten sich in der Winterpause der Spielzeit aber endgültig und mehr oder weniger friedlich. Gerber war aber nicht nur ein großartiger Manager bzw. Trainer bei 96. Gerber war auch der Kapitän der Aufstiegsmannschaft ’85! Aus den USA zurückgekehrt, hatte Gerber maßgeblichen Anteil daran, daß die Elf der Namenlosen in den Achtzigern Fußballgeschichte schrieb. Insgesamt spielte Gerber 62 mal für die Roten und erzielte dabei 14 Treffer.” Die Bilder sind unvergessen: Ein Eiskalt-Sanierer wie Ulf Claassen, von dem niemand in Hannover etwas Rechtes wusste, musste mit ansehen, wie Anhänger der “Roten” den am 15. August 1997 vor dem Pokalspiel in Mönchengladbach entlassenen Gerber auf ihren Schultern über die Aschenbahn des Niedersachsenstadions trugen. Zehntausende skandierten: “Claassen raus!” Wochenlang eierten die Verantwortlichen herum, der gefeuerte Manager arbeitete weiter in der 96-Geschäftsstelle. Das alles ist Fußball-Schnee von gestern, aktuell sei dem Hauptsponsor des SV Wilhelmshaven Albert Sprehe geraten, fortan ein wachsames Auge auf die Feinkost-Szene zu haben. Denn Franz Gerber, das wissen sie in Hannover, das wissen sie in Celle, das wissen sie in Hamburg…denkt auch gern mal an sich!

Zur Person

Franz Gerber war von 1989 bis 1996 Manager bei TuS Celle, in dieser Zeit auch mehrmals Interimstrainer und war Trainer der A-Jugend in der Verbandsjugendliga. Anschließend arbeitete er bei Hannover 96 (Manager von 1996 bis August 1997 und von September 1997 bis 1999, zudem Cheftrainer von Januar bis Juni 1999). Es folgte eine Episode als Manager beim BV Cloppenburg (Januar bis Dezember 2000). Von Januar bis Juni 2001 und von April bis Juni 2002 war er sportlicher Berater beim VfB Oldenburg, von Juli bis Dezember 2001 wieder bei Hannover 96, diesmal als Sportdirektor. Diese Zeit endete mit einer Disharmonie, weil Gerber in den Verdacht geriet, seine Tätigkeiten als Vereinsangestellter und Spielerberater nicht immer ganz sauber trennen zu können.

2002 kehrte er zum FC St. Pauli zurück, wirkte dort von Juli bis Dezember als Manager sowie zwischen Januar 2003 und März 2004 als Cheftrainer. In der Zweitliga-Rückrunde 2002/03 gehörte auch sein Sohn Fabian (17 Spiele/8 Tore) dem Kader von St. Pauli an, der vorher, wie sein Vater, auch schon bei Celle und Hannover aktiv war.

Seit Dezember 2006 hat Franz Gerber das beratende Amt für den GSC 08 im Harz inne und soll den Verein aus der Krise führen. Er hat einen Vertrag bis 2007 mit einer Option für ein weiteres Jahr.Quelle: Wikipedia, genutzt unter der GNU-Free-Documentation-Lizenz.